Wenn Sema – eine zehnjährige Superheldin aus Afrika – ein Problem lösen muss, fliegt sie nicht durch die Lüfte, verwandelt sich oder geht durch Wände … Ihre Superkraft? Technovation! Sie nutzt ihren Einfallsreichtum und ihre technische Finesse, um die Welt zu retten.
„Super Sema“ ist die erste animierte Superhelden-Serie aus Afrika und ist seit letztem Jahr auf YouTube Originals zum Streamen verfügbar. „Es ist weit mehr als nur eine Superhelden-Geschichte“, berichtet Vanessa Ford, ausführende Produzentin von „Super Sema“ und Geschäftsführerin von Kukua, dem Unternehmen hinter der Serie. „Es ist eine Hommage an Black Girl Magic und die panafrikanische Kultur. Wir wollten Afrika als stark, ambitioniert und futuristisch porträtieren.“
Sema lebt in Dunia, einem fiktiven Dorf, in dem zufällig auch ein KI-Schurke zu Hause ist. Im Zentrum von Semas Heldentaten steht die Wissenschaft. In der ersten Staffel nutzt sie die durch Zersetzung von Abfall entstehende Wärme zur Erzeugung von Elektrizität und wirkt mit ihrem Wissen in Bionik der Umweltverschmutzung entgegen.
Zugleich ist „Super Sema“ reich an lokaler Kultur. Sie trägt häufig die panafrikanischen Farben Rot, Grün, Gold und Schwarz und wird von ihrem äußerst computeraffinen Bruder und ihrem Maasai-Shuka tragenden Großvater unterstützt. Mandazi – frittierte Donuts, die in Afrika für gewöhnlich von Straßenhändler:innen verkauft werden – kommen ebenfalls häufig vor.
„Super Sema“ wurde von einem Team unter weiblicher Führung erschaffen und in Nairobi mit einer größtenteils afrikanischen Besetzung produziert. Die Serie war von Beginn an ein voller Erfolg – nach ihrem Start wurde sie 14 Millionen Mal aufgerufen und diesen Januar erhielt sie eine Nominierung für einen NAACP Image Award.

Wie so viele Superheld:innen erfreut sich auch Sema einer ungewöhnlichen Ursprungsgeschichte aus dem echten Leben. Die Idee zu ihrer Figur hatte Lucrezia Bisignani, die ursprünglich aus Rom stammt, aber während des Heranwachsens die ländlicheren Regionen Afrikas bereiste. „Meine Eltern wollten mir das Gefühl vermitteln, Teil dieser globalen Familie zu sein“, berichtet Bisignani. „Ich wuchs mit einer Liebe für Diversität auf und war allem zugetan, was nicht der Norm entsprach.“
Um ihren Traum zu verwirklichen und den Analphabetismus in Afrika zu bekämpfen, entwickelte Bisignani Bildungsapps, die grundlegende Lese-, Schreib- und Mathematikkompetenz mithilfe von Spielen vermittelten. Zu dieser Zeit war Sema ein Gaming-Charakter – mit den für sie so typischen Haarknoten –, doch sie war noch nicht die vollständig entwickelte Heldin, wie sie in der Serie zu sehen ist. Dafür sollte es erst ein Superstar-Team im Hintergrund brauchen.

Mit Claudia Lloyd verstärkte eine mit dem BAFTA-Award ausgezeichnete Autorin und Produzentin das Team, die über ein Jahrzehnt in Kenia beheimatet war. Auch Ford kam mit an Bord, die als Ausführende Produzentin bei der Weinstein Company in London beschäftigt war und dort Spielfilme produzierte. Lynne Southerland, die erste Schwarze Regisseurin eines animierten Spielfilms – „Mulan II“ –, übernahm das Ruder in der ersten Staffel.
„Die Herausforderung bei einer fünfminütigen Folge besteht darin, starke optische Elemente mit einem knackigen Handlungsstrang zu verknüpfen, der die Geschichte vorantreibt und gleichzeitig Raum für die emotionalen Nuancen der Charaktere bietet“, beschreibt Southerland. „Zu meinem Glück ist Sema ein sehr gewinnender Charakter.“
Es ist eine Hommage an Black Girl Magic und die panafrikanische Kultur.—Vanessa Ford, ausführende Produzentin von Super Sema und Kukua COO

Ford nutze ihre Hollywood-Kontakte, um mit der Oscar-Gewinnerin Lupita Nyong’o in Verbindung zu treten, die in Kenia aufgewachsen war. „Ich rief sie an und dachte, na ja, zumindest wird sie darüber tweeten, oder vielleicht hilft sie uns dabei, die Serie zu promoten“, verrät Ford. „Bei unserem ersten Gespräch hieß es dann recht schnell: ‚Ich möchte mitmachen.‘“
Nyong’o lieh dem Geist von Semas Mutter, Mama Dunia, für die ersten Folgen ihre Stimme und ist jetzt Executive Producer und Aktionärin bei Kukua.
„Sie war ein unglaublicher Quell an Inspiration und Wissen“, erzählt Ford begeistert. „Sie ist sehr engagiert dabei, die Serie mit authentischen Informationen zu unterlegen und den Erfahrungen, über die wir berichten, einen lokalen Anstrich zu geben.“

Jede Episode besteht zudem aus einem wissenschaftlichen Element – das mag manchmal auf die Spitze getrieben werden, doch laut Ford ist letztlich alles in der Realität verankert. Der Pizza-Drucker, den Sema baut? Die NASA hat ähnliche Projekte im Bereich 3D-Lebensmitteldruck finanziert. In einer anderen Folge baut Sema eine Drohne, mit deren Hilfe sie einen Wald wieder aufforsten möchte, den der Schurke Tobor für den Bau seines Schlosses abgeholzt hat.
„Im Amazonas werden Drohnen eingesetzt, um Bäume zu pflanzen“, erläutert Ford. „Wir wollten diese Dinge im Bereich des Möglichen und Realen halten, aber mit Fantasie und Spaß anreichern.“

Mit Blick auf die zweite Staffel von „Super Sema“, die sich in Produktion befindet, ist das gerade erst der Anfang der Serie. Es gibt zusätzlichen STEAM-Content, darunter „Sema‘s Vlogs“, die Kinder durch wissenschaftliche Experimente und Projekte führen, die sie daheim ausprobieren können. Kukua hat kürzlich die Partnerschaft mit Just Play bekannt gegeben – einem Spielzeughersteller, der mit echten Größen der Unterhaltungsbranche zusammenarbeitet. Die erste Staffel von „Super Sema“ – aktuell verfügbar auf Englisch – wird in etlichen Sprachen synchronisiert, einschliesslich Spanisch, Französisch, Yoruba und Indonesisch.
Letztendlich könnte die unglaubliche Reichweite Semas wichtigste Superkraft sein. „Wenn Kinder durch ‚Sema‘ erkennen, dass sie zu großen Dingen fähig sind, bedeutet uns das sehr viel“, fügt Ford hinzu. „Das ist die Aufgabe eines echten Vorbilds.“