The Gardens Between ist unser Mac-Spiel des Jahres. Warum? Weil es zeigt, wie viel Herz Puzzler haben können.
Mit dem Erwachsenwerden verändert sich unser Zeitempfinden. Ein warmer Sommertag fühlt sich wie eine Ewigkeit an, während uns die gesamte Kindheit wie ein kurzer Augenblick erscheint. In diesem atmosphärischen Puzzler geht es darum, diesen bittersüssen Fluss der Zeit zu erkunden – und zwar nicht nur thematisch. In diesem Spiel kannst du nämlich die Zeit manipulieren.
Das Abenteuer beginnt damit, dass sich die besten Freunde Arina und Frendt in ihrem selbstgebauten Baumhaus treffen. Draussen tobt ein schlimmes Unwetter und als ein Blitz in der Nähe einschlägt, werden die beiden in eine traumähnliche Welt teleportiert, wo sie eine Reihe von Rätseln lösen müssen. Gleichzeitig erleben sie die wertvollsten Momente ihrer Freundschaft noch einmal.
Die Protagonisten bewegen sich von alleine. Deine Aufgabe besteht nur darin, die Zeit vor- oder zurückzuspulen. Relativ am Anfang des Spiels gelingt es dir beispielsweise, an einem umgekippten Stapel aus Holzklötzchen vorbeizukommen, indem du die Zeit zurückdrehst und damit verhinderst, dass der Turm überhaupt zusammenstürzt. Später läuft Arina über eine gigantische Säge, die in einem Brett feststeckt. Wenn du die Zeit vor- und zurückspulst, tut sie das immer wieder, bis das Brett schliesslich durch ist, herunterfällt und damit einen Weg für Frendt bildet.
Obwohl die Knobeleien knifflig und anspruchsvoll sind, liegt der eigentliche Reiz des Spiels in der subtilen, melancholischen Story.
Jedes Level spielt auf einer kleinen Insel mit einem Berg und symbolisiert die wichtigsten gemeinsamen Erlebnisse von Arina und Frendt. So schlängelt sich einer der Pfade um einen alten Fernseher und eine Videospielkonsole, was bei den beiden Erinnerungen an die Zeit weckt, als sie zusammen 8-Bit-Klassiker gespielt haben. Ein anderer Weg liegt voll mit Plänen und Konstruktionsmaterial, was wiederum eine Referenz an ihr Baumhaus ist.
Und dann ist da noch diese mysteriöse leuchtende Kugel. „Das Licht könnte man als Symbol für die Freundschaft zwischen Arina und Frendt sehen“, erklärt Simon Joslin, Mitgründer des australischen Entwicklerstudios The Voxel Agents, von dem das Spiel stammt. „Doch man könnte es auch anders interpretieren – wenn wir unsere Erinnerungen wachrufen und beleuchten, machen wir sie stärker.“
Obwohl die Knobeleien knifflig und anspruchsvoll sind, liegt der eigentliche Reiz des Spiels in der subtilen, melancholischen Story. Im Hintergrund jedes Levels sind liebevoll gestaltete Details wie gepackte Kisten oder ein Umzugswagen zu sehen. „Alles, was du siehst, hat eine Bedeutung“, verrät Joslin.
The Gardens Between ist aus gutem Grund Mac-Spiel des Jahres: Es ist einer der wenigen Puzzler, die es schaffen, uns tief zu berühren – und uns vielleicht sogar inspirieren, uns mal wieder bei alten Freunden zu melden.