DIE ENTWICKLER KENNENLERNEN

Sein grosser Foto-Coup

Gus Mueller erzählt, wie er einen Fotoeditor für alle entwickelte.

Acorn 6

Grafik und Design

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Entwickler Gus Mueller von Flying Meat hatte mit seinem einfachen, aber leistungsstarken Fotoeditor Acorn nie vor, ein Universaltool für alle zu schaffen.

Klar, die App ist eine der schnellsten Möglichkeiten, Bilder zuzuschneiden, sie in der Grösse zu verändern oder ihnen Text hinzuzufügen. Und ja, die App bietet mehr als 100 Fotoeffekte sowie nicht-destruktive Filter. Doch der besondere Vorzug von Acorn lag schon immer darin, dass dich der Editor nicht gleich erschlägt. Muellers Inspiration beim Programmieren der App war kreative Neugier. „Ich wollte wissen, was erforderlich ist, um einen Fotoeditor zu entwickeln“, verrät er.

Wir haben mit Mueller über die bescheidenen Anfänge von Acorn, seine kulinarischen Inspirationen und über den ungewöhnlichen Namen seines Entwicklungsstudios gesprochen.

Als Acorn veröffentlicht wurde, gab es auf dem Markt bereits einige etablierte Apps für Bildbearbeitung. Was hat dich dazu veranlasst, auf diesen Zug aufzuspringen?
Acorn hat sich aus Upgrades für FlySketch entwickelt. Das ist eine meiner anderen Apps, mit der man Screenshots erstellen und auch zeichnen kann. Die Nutzerinnen und Nutzer haben nach neuen Features gefragt und so habe ich Pinsel und Ebenen sowie mehrere Fenster hinzugefügt – und plötzlich hatte ich eine komplette Bildbearbeitungs-App. Aber Acorn ist trotzdem für andere Anwendungszwecke als professionelle Editoren gedacht: Es ist leistungsstark, aber gleichzeitig flexibel und leicht zugänglich. Die App verfügt über eine exzellente Dokumentation, an der wir viele Jahre hart gearbeitet haben.

Welche Funktion würdest du dir für Acorn noch wünschen, die die App momentan noch nicht hat?
Tools zum Verformen und Verdrehen von Bezier-Pfaden. Es ist nicht so, dass ich sie verwenden würde, aber ich denke, es macht wirklich Spass, sie zu programmieren. Knapp auf Platz zwei landen komplett vektorbasierte Pinselstriche, die wahrscheinlich nicht ganz so schwierig zu coden sind, aber eher nicht zu Acorn passen würden.

Wenn es etwas wirklich Nützliches sein soll, so wäre es vermutlich eine Oberfläche mit nur einem Fenster, in dem alle Tools und Einstellungen an einer guten Stelle dauerhaft platziert sind. Der Wechsel zwischen den Bildern würde über Tabs erfolgen. Das ist ein Trend, den man seit einigen Jahren in Apps beobachten kann.

Was gefällt dir daran, Indie-Entwickler zu sein?
Dass ich aus nichts etwas machen kann. Alles, was du brauchst, ist ein Texteditor, eine Programmiersprache und deinen Verstand. Und ausserdem bin ich als Indie-Entwickler mein eigener Boss. Ich muss entscheiden, woran ich arbeite – und wenn ich mal einen freien Tag brauche, dann nehme ich ihn mir. Als Indie-Entwickler habe ich zwar auch viel mehr Verantwortung, doch das ist es mir wert.

Was findest du an deinem Job am erfüllendsten?
Das Feedback von Leuten, die wirklich Spass an der App haben. Wenn mir jemand eine E-Mail schickt – oder sogar einen Brief oder eine Postkarte –, hebe ich das immer in einem speziellen Ordner auf. Von 99 Prozent meiner Kundinnen und Kunden höre ich nie etwas, aber ich freue mich, wenn mir jemand schreibt, dass Acorn ihr oder ihm das Leben leichter macht oder sogar etwas ermöglicht, was vorher nicht zu machen war.

Wer ist das typische Acorn-Publikum?
Lehrkräfte und Bildungseinrichtungen arbeiten gern mit Acorn. Viele meiner Kundinnen und Kunden sind Menschen, die ganz einfache Bildbearbeitungsfunktionen benötigen. Sie wollen keine überladene App, aber gelegentlich auch erweiterte Funktionen wie Kurvenbearbeitung oder nicht-destruktive Filter. Ich bin davon überzeugt, dass die meisten einfach schnell ein Foto öffnen, in der Grösse verändern oder zuschneiden möchten. Vielleicht verwenden sie auch noch einen Filter oder fügen Text zum Bild hinzu.

Ich habe auch eine Menge engagierter Poweruserinnen und -user, da Acorn voll skriptfähig ist und über eine Plug-in-Architektur für JavaScript verfügt.

Du bist seit vielen Jahren ein wichtiges Mitglied der Developer-Community. Erzähl doch mal.
Ich hatte schon recht früh eine ziemlich aktive Website, auf der ich das gepostet habe, woran ich gerade gearbeitet habe. Code-Schnipsel und alles Mögliche. Und ich habe immer versucht, alle zu unterstützen, die mich darum gebeten haben. Wofür ich aber vor allem bekannt bin – zumindest in der Developer-Community –, ist mein SQLite-Datenbank-Wrapper FMDB. Sie wird in Hunderten oder vielleicht sogar Tausenden von Apps verwendet. Ich habe sie für meine eigenen Apps geschrieben, doch inzwischen wird sie auf Millionen von Geräten verwendet, was ziemlich cool ist.

Warum hast du dein Studio „Flying Meat“ genannt [was so viel wie „Fliegendes Fleisch“ bedeutet]? Und welches Fleisch magst du am liebsten?
Ich klettere seit mehr als 20 Jahren. „Flying Meat“ ist der Name einer Kletterroute bei Columbia, Missouri. Die Route wurde nach einem bedauernswerten Reh benannt, das dort in den Abgrund stürzte. Die Person, die diese Route entdeckt hat, hat das beobachtet – das Tier flog nämlich direkt über ihren Kopf. Das ist übrigens auch der Grund, warum auf dem Firmenlogo ein springendes Reh zu sehen ist. Eigentlich ja eine tragische Geschichte, aber eine fantastische Kletterroute.

Um zum Thema Fleisch zu kommen: Ich esse relativ selten Fleisch, weil meine Frau und meine Tochter Vegetarierinnen sind. Aber ich nehme ein paar Scheiben Salami, wenn ich Pizza backe.

Da wir gerade von Pizza reden: Du bist als legendärer Pizzabäcker bekannt.
Pizzateig selbst zu machen, ist ein netter Ausgleich zu meinem Job, wo ich immer nur am Computer sitze. Das ist eine nicht-digitale Kunst, die auch mal mehrere Tage in Anspruch nehmen und je nach Ergebnis ziemlich frustrierend oder bereichernd sein kann.

Du hast mal gesagt, dass das Entwickeln einer App dem Backen einer Pizza ähnelt. Wie das?
Jeder kann eine passable Pizza machen. Dafür brauchst du nur ein bisschen Geduld, gutes Mehl und Übung. Wenn du aber versuchst, eine echte neapolitanische Pizza zu backen, wird’s schon schwieriger: Du brauchst einen superheissen Ofen, ganz spezielles Mehl und musst die richtige Mischung für den Belag finden. Und dann entdeckst du Rezepte mit Natursauerteig. Oh Mann, das ist dann wirklich eine Kunst. Und es kann Jahre dauern, bis du deine Backkünste perfektioniert hast.

Teig besteht einfach nur aus Wasser, Salz und Mehl. Programme bestehen einfach nur aus Einsen, Nullen und Algorithmen. Aber was du damit machst – das ist die eigentliche Magie.

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