WOMEN’S HISTORY MONTH

Unterwegs mit Hyojeong Kim

Die NomadHer-Gründerin über Support für alleinreisende Frauen.

Unterwegs nur auf sich selbst gestellt zu sein, ist eine befreiende Erfahrung und mittlerweile auch keine Seltenheit mehr. Wenn sich aber eine Frau allein aufmacht, reagieren viele Menschen mit Zweifeln und Sorgen. In NomadHer: Solo Female Travel finden sich inspirierende Erfahrungsberichte aus aller Welt, die zum Glück eine ganz andere Geschichte erzählen – voller Empowerment und Mut zum Abenteuer.

NomadHer bietet reisebegeisterten Frauen einen sicheren Ort, um sich zu vernetzen, Tipps und Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Als CEO der App hat Hyojeong Kim selbst schon 60 Länder im Alleingang erkundet und ist längst noch nicht am Ende angelangt. Mit ihrer Entwicklung ebnet sie den Weg für eine neue Reisekultur, durch die sich Frauen darin bestärkt fühlen, frei und unabhängig auf Entdeckungstour zu gehen. Im Interview hat uns die furchtlose Weltenbummlerin verraten, wie sie die Erfahrung für alleinreisende Frauen transformiert.


Hyojeong Kim hat über 60 Länder bereist – allein.

Du reist um die Welt und hast dein eigenes Unternehmen gegründet. Wie und wo hat das alles angefangen?

Hinter meinem ersten Solourlaub steckte kein bewusster Plan. Meine Vorstellungen entsprachen nur einfach nicht denen der anderen. Ich wollte alles in meinem eigenen Tempo machen und mir meine Ziele selbst aussuchen. Also versuchte ich mein Glück und erkundete Italien im Alleingang. Spätestens als ich wieder zu Hause war, wurde mir klar, dass das Ganze nicht annähernd so beängstigend war, wie ich befürchtet hatte.

Meine Entdeckungsfreude entwickelte sich mit der Zeit zu einer richtigen Leidenschaft. Aus diesem Grund hielt ich Ausschau nach einem Remote-Job bei einem Unternehmen, das sich für alleinreisende Frauen stark macht. Nachdem meine Suche allerdings erfolglos blieb, entschloss ich mich kurzerhand, selbst aktiv zu werden.

Egal, welches Alter, welcher kulturelle Hintergrund oder welche Nationalität – durch all meine Gespräche zog sich ein roter Faden: Der verlässliche Austausch mit anderen reisebegeisterten Frauen stärkt die eigene Selbstsicherheit, sowohl in emotionaler als auch in körperlicher Hinsicht.
– Hyojeong Kim, CEO von NomadHer

Inwiefern erhöht NomadHer die Sicherheit für dich und andere alleinreisende Frauen?

Egal, welches Alter, welcher kulturelle Hintergrund oder welche Nationalität – durch all meine Gespräche zog sich ein roter Faden: Der verlässliche Austausch mit anderen reisebegeisterten Frauen stärkt die eigene Selbstsicherheit, sowohl in emotionaler als auch in körperlicher Hinsicht.

Für nachweisliche Vertrauenswürdigkeit setzt NomadHer daher auf Identitätsverifizierungen. Gleichzeitig erleichtert die App den Kontakt zu gleichgesinnten Frauen mit denselben Reisezielen.

Wie nutzt du selbst NomadHer?

Ich verwende hauptsächlich die „Travel Buddy“-Funktion, über die ich mit Frauen in Verbindung komme, die zur gleichen Zeit dasselbe Ziel ansteuern. Auf diese Weise habe ich wundervolle Menschen aus San Francisco, Paris, Seoul, Mexiko und anderen Orten kennengelernt. Wir haben zusammen Tee getrunken, gemeinsam gegessen und sie haben mich sogar zu sich nach Hause eingeladen.

Dank Kims inspirierenden Soloabenteuern verbindet NomadHer eine wachsende Community von Frauen, die sich fürs Reisen begeistern.

Was ist das Besondere am Alleinreisen?

Du entdeckst völlig neue Seiten an dir. Nur wenn du dich selbst in- und auswendig kennst, hast du die Chance, dich weiterzuentwickeln. So sehe ich das zumindest. Aber im Alltag gibt es nur selten Gelegenheit zur Selbstfindung.

Wenn wir unser vertrautes Zuhause verlassen und uns an Orte begeben, an denen uns niemand kennt, gedankenverloren durch die Straßen schlendern, lokale Gerichte probieren und auf Menschen mit faszinierenden Lebensgeschichten treffen, denen wir sonst nie begegnet wären, dann stellen wir uns die ehrlichen Fragen: „Ist es das, was ich will? Macht mich das glücklich?“

Was war das Schönste, das du auf deinen Reisen erlebt hast?

Als ich in der lettischen Hauptstadt Riga war, fand gleichzeitig ein großes Festival statt, sodass alle Unterkünfte ausgebucht waren. Ich stand gerade an einer Bushaltestelle und überlegte, was ich tun sollte – da bot mir eine Einheimische spontan an, bei ihr und ihrer Familie zu übernachten.

In Havanna auf Kuba lernte ich in einer Eisdiele eine Familie kennen, die mir ein paar Kugeln spendierte, einfach weil ich Touristin war. Es kostete zwar nur rund 300 südkoreanische Won, aber der wahre Wert lag in der Aufrichtigkeit und Großzügigkeit dieser Geste. Mir wurde richtig warm ums Herz.

Rückblickend fühlen sich diese Momente fast an wie Träume, sodass ich mich manchmal frage: „Ist das wirklich passiert?“

Du planst eine Soloreise? Vielleicht findest du andere mit demselben Ziel, mit denen du dich zusammentun kannst.

Gibt es irgendwelche Mitglieder aus der NomadHer-Community, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Vor Kurzem postete eine 65-jährige Belgierin, dass sie nach zwei Jahren Vorbereitung endlich ihre Europatour in Angriff nimmt. Seitdem die App existiert, spricht sie in der Community darüber, wie sie ihr Vorhaben realisieren möchte – und zwar nicht als Mutter, sondern als sie selbst und vor allem für sich selbst.

Ihre Geschichte erinnerte mich an meine eigene Mutter, die sich kaum etwas sehnlicher wünscht, als im Ausland Englisch zu lernen und den Jakobsweg zu gehen. Das hat mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass jede Frau vollkommen unabhängig vom Alter ihre ganz persönlichen Träume hat.

Soloreisen sind wie Miniversionen des Lebens. Genau das macht die Erfahrungen so unglaublich wertvoll.

Was ist deiner Meinung nach die nächste Etappe für NomadHer?

NomadHer startete als reine Reisebegleitung, ist aber mittlerweile viel mehr als das: Die App bildet das Zuhause für eine Community von inspirierenden Frauen rund um den Globus. Jedes Jahr feiern wir diese bedeutsame Entwicklung im Rahmen unseres „She Can Travel Anywhere“-Festivals.

Letztes Jahr veranstalteten wir das Event in meiner Heimatstadt Busan, was für mich ein wirklich besonderes Erlebnis war. Aus aller Welt machten sich die Mitglieder per Flugzeug auf den Weg an den Ort, an dem ich aufgewachsen bin – ein unvergesslicher Moment.

Auch wenn Kim allein reist, sagt sie, dass einige ihrer schönsten Erinnerungen unterwegs mit Mitreisenden entstanden sind.

Hast du einen Ratschlag für Frauen, die noch Bedenken haben, alleine zu verreisen?

Angstgefühle gehen oft damit einher, dass wir uns einer Herausforderung stellen. Sie sind aber auch ein Zeichen dafür, dass etwas Neues auf uns wartet. Indem wir die ausgetretenen Pfade verlassen, entwickeln wir uns weiter.

Wenn dir ein ausgedehnter Urlaub ohne Begleitung noch eine Nummer zu groß ist, fährst du am besten erst mal in eine Stadt in der Nähe. Schon eine einzige Übernachtung kann viel bewirken. Betrachte den Ausflug wie einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft – eine kurze Pause, in der du eine neue Perspektive einnimmst. Soloreisen sind wie Miniversionen des Lebens. Genau das macht die Erfahrungen so unglaublich wertvoll.