In Algerien aufgewachsen, liebte Ilyes Ait Yahiatene es, Fußball zu spielen. „Das war immer das, was Menschen zusammengebracht hat“, erinnert er sich. „Egal, wer du warst oder woher du kamst – sobald ein Ball da war, kamen die Leute und spielten einfach mit.“
Als er mit 21 Jahren nach Montreal zog und sich die Stadt zunächst fremd und ungewohnt anfühlte, suchte er nach einer Möglichkeit, wieder Fußball zu spielen. So entdeckte er GoodRec – eine App, über die Spieler:innen in ganz Nordamerika lokale Matches finden und spontan mitmachen können.
„Das erste Spiel, an dem ich teilnahm, fühlte sich fast unwirklich an. Es war richtig gut. Da waren Leute aus allen möglichen Ländern – unterschiedliche Akzente, unterschiedliche Spielstärken. Aber sobald das Spiel angefangen hat, waren wir einfach Freund:innen“, erzählt Yahiatene.
Heute ist Yahiatene selbst GoodRec-Host: Er heißt Spieler:innen willkommen und organisiert die Partien vor Ort. In vielen der Menschen, die zum Kicken kommen, erkennt er sich selbst wieder: Leute, die Anschluss suchen, neue Menschen kennenlernen und einfach Spaß haben wollen. Für ihn sind daraus echte, langfristige Freundschaften entstanden. „Durch Fußball entsteht so eine besondere Verbindung – das versteht man erst, wenn man es selbst erlebt hat“, sagt er.
Ein Team für alle Spieler:innen
Hunderttausende Menschen weltweit finden inzwischen über Apps sofort ein Team. Man bucht einfach einen Platz im Spiel, bezahlt online und kann genau dann Fußball spielen, wann und wo es gerade passt.
„Die ganze Idee dahinter ist, dass du jederzeit spielen kannst“, sagt Midori Koide, Mitgründerin von GoodRec, das allein im vergangenen Jahr 65.000 Spiele in mehr als 60 Städten organisiert hat. „Es ist ein bisschen wie ins Fitnessstudio zu gehen. Du buchst deinen Platz im Spiel und lernst dann auf einem Platz in deiner Nähe neue Leute kennen.“
Spieler:innen koordinieren, Plätze buchen und die Termine einer ganzen Mannschaft organisieren – das kann schnell wie ein Vollzeitjob wirken. Über eine App bei einem Spiel mitzumachen, ist dagegen so einfach wie Zeit und Ort auszuwählen. Und wie sich zeigt, entstehen dabei oft wertvolle Kontakte.
Die ganze Idee dahinter ist, dass du jederzeit spielen kannst.– Midori Koide, Mitbegründerin von GoodRec
Apps wie Plei, die Spiele in ganz Nordamerika organisiert, Footy Addicts, über die Spieler:innen in Großbritannien eigene Matches erstellen oder bestehenden Spielen beitreten können, und CeleBreak, die Spiele in Spanien, Deutschland, Dänemark und den Vereinigten Arabischen Emiraten veranstaltet, bringen die Leute nicht nur auf den Platz. Sie fördern auch die Community. Nutzer:innen können sehen, wer bereits für ein Spiel zugesagt hat, und können sich gegenseitig Nachrichten schicken.
Und genau diese Funktionen sind wichtig. Denn aus den Begegnungen auf dem Platz ist längst mehr geworden als nur gemeinsame Spiele – darunter Grillabende, Geschäftspartnerschaften und sogar Liebesgeschichten.
Aus Teamkolleg:innen werden Freund:innen
Konstantinos Gkortsilas, der Footy Addicts gegründet hat, nachdem er jahrelang Spiele über soziale Medien organisiert hatte, ist überzeugt, dass Fußball Menschen auf besondere Weise verbindet. „Man fühlt sich sofort wohl – man spricht dieselbe Sprache, nämlich Fußball.“

Seiner Meinung nach lernt man Menschen beim Spielen oft besser kennen. „Ich merke auf dem Platz schnell, wie jemand tickt“, sagt er. „Du siehst, wie jemand ans Spiel herangeht, und das verrät dir viel darüber, wie die Person sich außerhalb des Platzes verhält.“
Manche Apps versuchen inzwischen bewusst, diese sozialen Kontakte zu fördern, die beim Fußball ganz natürlich entstehen. Rund um Turniere organisieren sie eigene Events: So können bei „Ball and Brunch“ von Plei Spieler:innen, Freund:innen und Familien gemeinsam Livemusik genießen und an Essens- und anderen kleinen Ständen rund um den Platz entlangschlendern.
Man spricht dieselbe Sprache, nämlich Fußball.– Konstantinos Gkortsilas, Gründer von Footy Addicts
Michael Gundlach verdankt Plei viele seiner heutigen Freundschaften. Der Torwart, der fast sein ganzes Leben Fußball gespielt hat und dem Sport sogar zuschreibt, ihm durch eine schwere Krebs-Reha geholfen zu haben, zog 2022 nach Miami – ohne dort jemanden zu kennen.

„Das Allererste, wirklich noch bevor ich nach einer Wohnung gesucht habe, war, eine App zum Fußballspielen zu suchen“, erzählt Gundlach. Er fand Plei und stand kaum 24 Stunden nach seiner Ankunft schon auf dem Platz.
Für den heute 62‑jährigen Gundlach, der über die App rund 600 Spiele absolviert hat, hat sich dadurch ein Freundeskreis entwickelt, den er sich vorher nie hätte vorstellen können.
„Inzwischen spiele ich mit Leuten zusammen, die jung genug wären, um meine Enkel:innen zu sein“, sagt er lachend. „Und genau das ist das Coole daran: Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Altersgruppen, mit verschiedenen Ansichten oder Hintergründen kommen zusammen. Am Ende ist es einfach eine ehrliche, menschliche Begegnung.“